Raison et déraison

J’ai vu, il y a quelques jours, le nouveau fil de Paolo Virzì, notte magiche. Malheureusement, ce n’est pas un bon fil, malgré les précédents du metteur en scène. Indépendamment de la qualité de l’œuvre, ce qui me frappe est le fait que les italiens-mêmes célèbrent en quelque sorte le caractère irrationnel de la vie dans la Péninsule (depuis Fellini, en passant par Sorrentino…). Sans parler de Sciascia et des siciliens.

C’est un autre vieux cliché sur l’Italie. Déjà Goethe écrivait à la fin du XVIIIe siècle : »Neapel ist ein Paradies, jedermann lebt in einer Art von trunkner Selbstvergessenheit. Mir geht es ebenso, ich erkenne mich kaum, ich scheine mir ein ganz anderer Mensch.« (Die italienische Reise)

Parfois, j’ai la même impression que Goethe : je ne me reconnais presque plus. Je peux très bien imaginer que je perdrais rapidement plusieurs principes et plusieurs habitudes helvétiques, si je devais vivre pendant longtemps à Rome, ou au sud de l’Italie. Et probablement quelques convictions également. Face aux problèmes quotidiens, à l’absurdité de certains aspects de la vie politique, je pourrais me laisser trainer par un joyeux « oubli de moi-même », je me concentrais alors plutôt sur les plaisirs de l’existence quotidienne, sans trop me soucier des grands systèmes – comme Goethe l’avais songé pendant son séjour à Naples. Et au diable la raison!

C’est une idée nourrie par de vieux clichés, bien sûr – mais les clichés véhiculent souvent des morceaux de vérité et façonnent en partie l’histoire. En fait, depuis le XVIIIe siècle, l’Italie est de plus en plus vue comme un pays de l’amour, de l’émotion, de la sensualité, incarnant plusieurs aspects attribués à la nature féminine. Tandis que la civilisation des pays du nord a été vue comme représentant une raison masculine, une civilisation supérieure, ainsi que le progrès. Pourquoi ai-je utilisé le passé ? C’est en partie encore le cas.

Stendhal, un autre grand connaisseur de l’Italie, outre que théoricien de l’amour, dit à ce propos une chose intéressante : « Une femme ne peut être guidée par l’habitude d’être raisonnable, que moi, homme, je contracte forcément à mon bureau, en travaillant six heures tous les jours, à des choses froides et raisonnables. Les femmes préfèrent les émotions à la raison ; c’est tout simple : comme en vertu de nos plats usages, elles ne sont chargées d’aucune affaire dans la famille, la raison ne leur est jamais utile, elles ne l’éprouvent jamais bonne à quelque chose. Elle leur est au contraire toujours nuisible, car elle ne leur apparait que pour les gronder d’avoir eu du plaisir hier, ou pour leur commander de n’en avoir plus, demain. Donner à régler à votre femme vos affaires avec les fermiers de deux de vos terres, je parie que les registres seront mieux tenus que par vous et alors, triste despote, vous aurez au moins le droit de vous plaindre, puisque vous n’avez pas le talent de vous faire aimer…. (De l’Amour)

Je trouve ce texte génial : il nous rappelle que la raison est un concept relatif ; c’est fondamentalement la raison du vainqueur, et on ne l’utilise si elle est utile à quelque chose. Je pense qu’en vivant longtemps à Rome, ma raison pourrait s’adapter facilement à de nouvelles circonstances.

Pour mieux comprendre le problème, je devrais peut-être lire la Critique de la raison pure de Kant, ce que je n’ai jamais fait. Mais, pour le moment l’apéritif m’attend, da Nino, et après cena in trattoria, in Trastevere. Kant peu bien attendre encore un peu… au diable la raison!

 

 

 

Mobilisierung gegen Pillon

Wie gesagt, habe auch den Eindruck, dass Salvini bisher konkret nicht viel ausrichten konnte, ausser auf das allgemeine politische Klima und auf Italien Image im Ausland Einfluss zu nehmen. Die ganzen Tiraden gegen Fremde sind zum Teil Schauspiel.

Was tatsächlich im Gang ist, ist eine Neupositionierung der Lega als führende Kraft im rechten Lager. Die Lega diskreditiert langsam aber stetig ihren Bündnispartner, den Movimento 5 Stelle, bis dieser in den Meinungsumfragen absackt – was sich schon heute abzeichnet. Anschliessend wird eine Regierungskrise produziert – was in Italien nicht besonders schwer ist – und die Lega übernimmt die Regierung mit Forza Italia von Berlusconi. Ohne oder mit Neuwahlen, das ist mir noch nicht klar.

Jedenfalls, im Schatten der MigrantInnenrethorik werden weitergehende Massnahmen vorbereitet, insbesondere eine neue Fiskalpolitik zugunsten der Reichen und Freisprüche für Steuersünder und weitere Gesetzesbrecher.

Nicht zu unterschätzen ist auch das Disegno di legge Pillon. Ausgearbeitet von einem anderen Lega-Mitglied, sieht der Entwurf vor, dass Scheidungen künftig faktisch schwieriger und kostspieliger werden, was sich v.a. für Frauen als nachteilig entpuppen wird.

Man muss sagen, dass dieser Entwurf auch berechtigte Anliegen der Väter aufnimmt, allerdings so, dass sie nicht realistisch umgesetzt werden können. Eine erprobte italienische Taktik.

Väter sollen gemäss Gesetzentwurf 50% der Zeit mit den Kindern verbringen; beide Eltern müssen Übernachtungsmöglichkeiten für die Kinder garantieren. Eine von den scheidenden Eltern bezahlte Mediation muss die Details regeln. Theoretisch sehr schön, praktisch nicht umzusetzen.

Was unter dem Strich bleiben wird, sind Nachteile und Kosten für Frauen, aber schliesslich auch für Väter und Kinder, die zwischen den Eltern hin und her gerissen werden und theoretisch in zwei verschiedenen Wohnungen leben müssten.

Gestern war ein verschiedenen Städten – auch hier in Rom – Mobilisierungstag gegen das Disegno di legge Pillon, mit grosser Beteiligung. Mal schauen, wie es herauskommt.

 

Salvini und die MigrantInnen

Adelheid hatte diese Woche ein interessantes Gespräch mit Annemarie Dupré. Bis im März dieses Jahres war sie Kirchgemeinderatspräsidentin der Waldensergemeinde Piazza Cavour, Roma. Sie war die wesentliche Initiantin und Wegbereitern des ‚Servizio rifiugiati e migranti‘ den sie bereits 1986 begonnen hat, in Italien den aufzubauen. Dies im Dienst der ‚Federazione chiese evangelice italiane (FCEI).

Sie betont, dass Italien als migrationserfahrenes Land eigentlich über eine gute und funktionierende Struktur zur Aufnahme von Fremden verfügt. Die Zusammenarbeit zwischen Staat, Kirchen und anderen Akteuren sei auch nicht schlecht. Und daran werde Salvini auch nicht so schnell etwas ändern können. Verschiedene Organisationen, die an der Sozialarbeit zugunsten der Migrantinnen beteiligt sind, sind politisch hervorragend vernetzt. Insbesondere die katholische Comunità di S. Egidio habe eine hervorragende Lobbyarbeit geleistet und sei sehr medienpräsent – so sehr, dass andere Organisationen eher in ihren Schatten gestellt werden.

Inzwischen arbeiten verschiedene Organisationen an den schon bestehenden «Corridoi umanitari» – Humanitäre Korridore: Sie wurden aufgebaut seit 2015 und eingerichtet von den FCEI, zusammen mit der Tavola Valdese und der Comunità di Sant’Egidio. In detaillierten Verhandlungen zwischen Kirchen und Staat, zwischen FCEI, Tavola Valdese, der Comunità Sant’Egidio und dem italienischen Aussenministerium wurden die Eckdaten für einen humanitären Korridor festgelegt. Zugang zu diesem humanitären Korridor haben besonders verletzliche Personen. Dazu gehören Kinder, Verletzte, Mütter mit Kindern und in Ausnahmefällen Familien. Ein wesentlicher Teil dieser Einrichtung ist finanziell gespiesen von ‚otto per mille‘, d.h. den Beiträgen aus der Waldenserkirche. Im Zuge dieser Initiative wurde auch der Medical hope eingerichtet, d.h. medizinische Versorgung dieser verletzlichen Personen. Dieser wird ebenfalls von Waldensern und Baptisten betrieben. An diesem Projekt sind auch französische und belgische Kirchen beteiligt.

Da diese humanitären Korridore sehr teuer sind, wird in nächster Zeit wohl noch einige Anpassungsarbeit geleistet werden müssen.

Das finde ich interessant. Ich habe auch den Eindruck, dass Salvini bisher konkret nicht viel ausrichten konnte, ausser auf das allgemeine politische Klima und auf Italien Image im Ausland Einfluss zu nehmen.

Zwischenbilanz: Viva l’Italia

 

Seit zweieinhalb Monaten lebe ich nun in Italien. Bevor ich nach Rom fuhr, dachte ich, ich würde dank meinem Aufenthalt hier, das Land endlich besser verstehen lernen. Ich habe in dieser Zeit viel über Italien gelesen und gehört – über die Geschichte, die Wirtschaft, die Politik …. Ich habe italienische Romane und Zeitungen gelesen. Ich bin auch stundenlang durch Roms Strassen gelaufen. Ich bin im Land herumgereist, habe mit Leuten gesprochen, mit Adelheid diskutiert. Dabei habe ich nicht das Gefühl, dass ich wesentlich mehr verstanden habe als das, was ich bereits wusste.

Wahrscheinlich war mein Zugang auch nicht der erfolgversprechendste. Kann man überhaupt ein Land und seine Leute verstehen, wenn man darüber liest und diskutiert?

Vielleicht ist es schlicht zu schwierig. Und vielleicht muss man manchmal das, was man nicht versteht, einfach lieben. Den Mut haben, einfach zu lieben…. Weil lieben besser ist als hassen; und weil Liebe besser ist als Gleichgültigkeit.

Die Gleichgültigen und Mutlosen – gli ignavi – hat Dante in der Göttlichen Komödie in der Hölle platziert. Über sie lässt er Virgil sagen: «non ti curar di lor, ma guarda e passa» (kümmere dich nicht um sie, schau hin und gehe weiter).

Also nicht Hass, und auch nicht Gleichgültigkeit.

Francesco de Gregori hat in den 1980er Jahren eine interessante, berührende Hymne an Italien geschrieben: ‚Viva l’Italia‘. In diesem Lied versucht er mit poetischen Bildern die unglaublichen, schwer verständlichen Gegensätze dieses Landes zu fassen: Ein Land das halb Garten und halb Kerker ist – L’Italia metà giardino e metà galera. Ein Land, das schon damals im Herzen getroffen war, aber nicht stirbt: l’Italia derubata e colpita al cuore/ viva l’Italia, l’Italia che non muore

Ich finde das einen guten Ansatz zu einem zeitgemässen Patriotismus. Eine Heimatliebe, die nicht blind ist, die die Probleme und Schattenseiten nicht ausblendet, die uns nicht gegenüber andere aufbläst, die uns nicht als besser oder schlechter fühlen lässt. Die uns aber auch nicht gleichgültig lässt.

Das ist m.E. eine mögliche Antwort auf einem der Grundprobleme der Gegenwart: Wie können wir uns eine Verbundenheit mit unserem Land entwickeln und vertreten, ohne dass sie zu einem Überlegenheitsgefühl, zu Paternalismus oder gar zu Fremdenfeindlichkeit verkommt?

Und schliesslich: Warum kann man nur die eigene Heimat lieben? ( Ich besitze zwar die italienische Staatsbürgerschaft, meine mütterliche Familie stammt aus Norditalien, aber ich bin in der Schweiz aufgewachsen und sozialisiert.)

Wichtiger ist, überhaupt zu lieben (Dante nicht vergessen!), oder das lieben, womit man sich verbunden fühlt.

Eine Art emotionale Zwischenbilanz; vielleicht nicht sehr tiefsinnig für einen Historiker, aber – wie soll ich es sagen? Vielleicht leidenschaftlich.

In diesem Sinne:

Viva l’Italia. (https://www.youtube.com/watch?v=kMx2YGkKUqQ)

Viva l’Italia, L’Italia liberata
L’Italia del valzer, L’Italia del caffè
L’Italia derubata e colpita al cuore
Viva l’Italia, L’Italia che non muore.

Viva l’Italia presa a tradimento
L’Italia assassinata dai giornali e dal cemento
L’Italia con gli occhi asciutti nella notte scura
Viva l’Italia, L’Italia che non ha paura.

Viva l’Italia, L’Italia che è in mezzo al mare
L’Italia dimenticata e l’Italia da dimenticare
L’Italia metà giardino e metà galera
Viva l’Italia, L’Italia tutta intera.

Viva l’Italia, L’Italia che lavora
L’Italia che si dispera e l’Italia che s’innamora
L’Italia metà dovere e metà fortuna
Viva l’Italia, L’Italia sulla luna.

Viva l’Italia, L’Italia del 12 dicembre
L’Italia con le bandiere, L’Italia nuda come sempre
L’Italia con gli occhi aperti nella notte triste
Viva l’Italia, L’Italia che resiste.

 

L’Aquila, neun Jahre danach

Neun Jahre nach dem verheerenden Erdbeben von 2009 , ist das Zentrum von L’Aquila (Abruzzi) noch eine Baustelle.

Man spürt zwar viel Stolz und Lust, die Stadt wieder aufzubauen…

…aber, wie immer in Italien, geht es nich so schnell voran.

Es ist interessant, dass die symbolischen historischen Denkmäler der Stadt zuerst und schnell wieder instand gesetzt wurden. So etwa die eigenartige mittelalterliche Fontana delle 99 cannelle:

Oder die schöne Basilica di Collemaggio:

 

 

 

 

Offenbar wohnen noch viele Leute in den nach dem Erdbeben aus dem Boden gestampften Dörfern der Umgebung. Ob sie, nach so langer Zeit, jemals wieder in die Stadt zurückkehren werden?

Wenn wir die Leute fragen, ist die Antwort oft: chissà? Wer weiss? Was das genau bedeutet, ist nicht so leicht zu erraten. Fatalismus? Zurückhaltung gegenüber den Fremden?

Beeindruckend, jedenfalls, wie die Leute in einem solch fast schon ewigen Provisorium versuchen, einen normaen Alltag zu leben.